Was mir wichtig ist:
Ich sehe Linien, Geometrien und Zusammenhänge.
Das begleitet mich schon lange vor meiner Arbeit als Hufbearbeiterin. Seit 2006 bin ich als Maskenbildnerin tätig und baue Puppen für das Puppentheater. Dabei geht es um Anatomie, Proportionen, Bewegung und darum, einzelne Strukturen so zu gestalten, dass sie in ihrer Gesamtheit funktionieren. Diese Art zu sehen und zu denken prägt bis heute meinen Blick auf das Pferd und seinen Huf.
Funktionelle Geometrie ist deshalb ein zentraler Begriff meiner Arbeit.
Mich interessiert nicht nur, wie ein Huf aussieht, sondern wie seine einzelnen Strukturen zueinander stehen, welche Linien und Winkel sich daraus ergeben und ob dieses Zusammenspiel funktionell ist. Dabei betrachte ich den Huf nie losgelöst vom Pferd. Wie stellt das Pferd seine Beine unter den Körper? Steht es vorständig oder rückständig, vorbiegig oder kuhhessig? Wie verteilt es sein Gewicht und wie bewegt es sich?
Erst daraus ergibt sich für mich die Frage, welche Stellung und Bearbeitung für diesen Huf sinnvoll ist.
2014 habe ich meine erste Ausbildung zur Hufbearbeiterin nach NHC absolviert. 2023 folgte eine Ausbildung nach huforthopädischen Gesichtspunkten bei Hartmut Sedlaczek. Seitdem arbeite ich als Hufbearbeiterin für Equipen.
Meine Ausbildungen haben mir unterschiedliche Sichtweisen auf den Huf vermittelt. Für mich ist jedoch keine Methode ein Dogma. Ich möchte verstehen, warum etwas funktioniert – oder eben nicht.
Ich lese den Huf über seine Strukturen und deren Zusammenhänge: über den Verlauf der Hufröhrchen, Veränderungen an Eckstreben und Hufstrahl, Symmetrien, Achsen und viele kleine Hinweise, die zeigen können, in welche Richtung sich ein Huf entwickelt.
Gerade Pferde, deren Hufsituation sich trotz regelmäßiger Bearbeitung nicht zufriedenstellend verbessert, finde ich besonders spannend. Denn häufig liegt die Lösung nicht darin, eine Methode konsequenter anzuwenden, sondern darin, genauer hinzusehen und die funktionellen Zusammenhänge neu zu betrachten.
Mein Ziel ist dabei nicht, jeden Huf in eine vorgegebene Form zu bringen.
Mein Anspruch ist ein tiefgreifendes Verständnis für funktionelle Geometrie – unabhängig von festgeschriebenen Methoden.
Und dieses Verständnis möchte ich weitergeben. Ich möchte, dass Pferdebesitzer lernen, die wesentlichen Marker am Huf selbst zu erkennen und zu verstehen, ob sich ihr Pferd und seine Hufe in eine funktionelle Richtung entwickeln.